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„National Zeitung“ wird im 56. Jahrgang eingestellt

Frey Gerhard Foto Brigitte Graf CC 30Gerhard Frey (Foto: Brigitte Graf CC: BY 3.0)Die vom Münchener Druckschriften- und Zeitungsverlag veröffentlichte „National Zeitung“ wird eingestellt. 1950 als „Deutsche Soldaten-Zeitung“ gegründet, stand die Wochenzeitung der NPD nahe und wurde vom bayerischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft und beobachtet.

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Nach übereinstimmenden Meldungen mehrerer deutscher Pressegroßhändler hat die Druckschriften- und Zeitungsverlags GmbH, München, angekündigt, keine weiteren Ausgaben der „National Zeitung“ („NZ“) mehr zu veröffentlichen. Auf Anfrage bestätigte der Verlag, dass auch die Belieferung von Abonnenten „ersatzlos eingestellt“ wird. „Der Medienwandel der letzten 15 Jahre und das damit einhergehende geänderte Nutzerverhalten“ hätten nach Angaben des Verlags die Einstellung unumgänglich gemacht.

Die „National Zeitung“ ging aus der 1950 gegründeten „Deutsche Soldaten-Zeitung“ („DSZ“) hervor. Initiiert wurde sie von früheren NSDAP-Kreisleitern und Angehörigen der Waffen-SS die mit der DSZ einen „antibolschewistischen deutschen Verteidigungsbeitrag“ erreichen wollten und hierfür den Schild-Verlag gründeten. Nachdem die Auflage kontinuierlich sank und der Verlag zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, erwarb im August 1960 der vom Journalisten und späteren Politiker Gerhard Frey 1958 errichtete Druckschriften- und Zeitungsverlag die „DSZ“ und benannte diese im Januar 1963 in „Deutsche National Zeitung“ um.

 

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Frey versuchte, die Zeitung als Zentralorgan von rechtsextremer Parteien oder Verbände etablieren zu können, teilweise auch durch Aufkauf anderer bereits bestehender Titel. So erwarb er 1986 die Zeitung „Deutsche Nachrichten“, die lange Zeit das offizielle Presseorgan der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) war, und fusionierte diese 1999 sodann mit der „National Zeitung“. Zwischenzeitlich hatte die NPD jedoch die 1976 gegründete „Deutsche Stimme“ als neues offizielles Parteimedium erklärt.

1971 rief Frey den Verein „Deutsche Volksunion“ (DVU) ins Leben. Dieser verfolgte das Ziel, ein Auffangbecken für enttäuschte NPD-Mitglieder etablieren zu können. 1987 wurde parallel dazu die Partei „Deutsche Volksunion – Liste D“ initiiert. Diese erklärte schließlich die „National Zeitung“ zum regulären Parteiorgan.

 

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Die DVU konnte 1991 in die Bremer Bürgerschaft einziehen, nachdem ihr bei der Wahl mit 6,2 Prozent der Stimmen erstmals in einem Bundesland der Sprung über die Fünfprozenthürde gelang. 2009 kandidierte Frey nicht erneut für den Parteivorsitz, 2010 fusionierte die DVU mit der NPD. Frey starb 2013. In diesen Jahren sank die Auflage der „National Zeitung“, zudem wurden andere rechtspopulistische Titel neu in den Markt eingeführt und es entstand unter diesen Zeitungen und Zeitschriften ein neuer Wettbewerb im Pressehandel.

Der bayerische Verfassungsschutz stufte in seinem Jahresbericht 2016 den DSZ-Verlag als ein Unternehmen ein, welches „über einen langen Zeitraum das bedeutendste rechtsextremistische Propagandainstrument in Deutschland“ war. Die „National Zeitung“ richtete sich an jene für die Zielgruppe typischen Fragmente aus. Nach Angaben von Frey war es das Hauptanliegen der „Nationalzeitung“ „die Verhinderung der Auflösung Deutschlands“.

 

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Schon unter der Regierung von Helmut Kohl thematisierte die Zeitung eine vermeintliche „Überfremdung“, denn laut Frey bedrohe die „Masseneinwanderung Fremder“ die „Identität unseres Volkes“. Die Redaktion hatte sich zudem oftmals im Februar eines Jahres mit der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 befasst. Während man das Thema Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa zum Ende des Zweiten Weltkriegs häufig in den Vordergrund stellte, wurden die Opfer des Holocaust hingegen bagatellisiert. Gleichwohl bekannt man sich zum Grundgesetz.

Eine Auflagenhöhe wurde vom Verlag in den vergangenen Jahren nicht mehr benannt. 1967 konnte mit einer Druckauflage von 145.000 Exemplaren ein Höchstwert verzeichnet werden. Der Verfassungsschutz ging in seinem Bericht für das Jahr 2006 dann jedoch nur noch von einer Auflage in Höhe von 40.000 Exemplaren pro Heftfolge aus. Anhand von einzelnen regional erhobenen Daten des deutschen Pressegroßhandels ist aktuell von einer Liefermengen-Hochrechnung von unter 7.000 Expl. pro Ausgabe auszugehen, von denen weniger als 2.500 Stück verkauft werden konnten. Der Verkaufspreis lag zuletzt bei 2,20 Euro.

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Foto: Brigitte Graf (CC: BY 3.0)

 

 


Tags: Unternehmensentwicklung, Politik und Nachrichten (Objektgruppe)

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