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Leid von Explosions-Opfern ins Lächerliche gezogen: Presserat spricht weitere Rügen aus

PresseratErneut hat der Deutsche Presserat Rügen ausgesprochen. Der Beschwerdeausschuss hatte über Presseberichte, die eine schwere Verletzung des Ansehens der Presse nach Ziffer 1 des Pressekodex bewirken, beraten: eine erfundene Geschichte über Prinzessin Diana, ein falsches Zitat eines Demokratie-Aktivisten und die Verhöhnung von Explosions-Opfern in Berlin.

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„Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse“, so heißt es im Pressekodex, der sich als „ethischer Standard für den Journalismus“ versteht. Mit einer Selbstverpflichtungserklärung bekennt sich die Mehrzahl der deutschen Verlagshäuser dazu, den Pressekodex und den Redaktionsdatenschutz zu achten. Doch manchmal wird vom Standard abgewichen.

So erhielt die Zeitschrift „Freizeit Spaß“ eine Rüge für die Berichterstattung über Prinzessin Diana unter der Überschrift „Das ist ihre heimliche Tochter“. Letztlich stellte sich heraus, dass die detaillierte Geschichte um eine angebliche Tochter der verstorbenen Prinzessin komplett fiktiv ist, basierend auf Veröffentlichungen in US-amerikanischen Medien. Die Redaktion hatte ihre Leser jedoch nicht darüber informiert, dass die Geschichte erfunden war. Der Presserat stellte daher einen schweren Verstoß gegen die Pflicht zur sorgfältigen Recherche nach Ziffer 2 des Pressekodex und gegen das Wahrheitsgebot nach Ziffer 1 fest.

 

Auch die Bild-Zeitung erhielt eine Rüge für ein falsches Zitat und damit einen Verstoß gegen die Ziffern 1 und 2 des Pressekodex. Die Zeitung hatte über das gewaltsame Vorgehen der Hongkonger Polizei gegen Demonstranten berichtet. Unter der Überschrift „Wir stehen zu Hongkong“ heißt es, der Demokratie-Aktivist Joshua Wong appelliere an Deutschland: „Ich bitte die deutsche Regierung: ‚Schaut auf Hongkong, seht, was hier passiert und nennt das Unrecht beim Namen!‘“.

Doch Wong selbst bestritt über Twitter, dass er der Redaktion in diesem Kontext ein Interview gegeben habe und erklärte zudem, das Zitat stamme auch nicht aus früheren Interviews. Hierdurch wird nach Ansicht des Beschwerdeausschusses nicht nur gegen die Pflicht zur Zitierwahrheit und -klarheit verstoßen, sondern der Dissident wird durch die ihm zugeschriebene, kritische Äußerung über die chinesische Staatsmacht auch gefährdet.

 

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Die Online-Ausgabe der in Berlin erscheinenden Boulevardzeitung „B.Z.“ hatte für die Berichterstattung über eine Gasexplosion in einem arabischen Restaurant, bei der vier Personen zum Teil schwer verletzt wurden, die Überschrift „Flambierter Döner? Schnellimbiss in der Sonnenallee explodiert“ gewählt. Die Redaktion änderte den Titel später dann jedoch. Der Ausschuss sah in der ursprünglichen Überschrift, die das Leid der Opfer ins Lächerliche zieht, eine schwere Verletzung des Ansehens der Presse nach Ziffer 1 des Pressekodex.

Der Deutsche Presserat wurde 1956 mit dem Ziel, die Pressfreiheit und das Ansehen der Presse in der Öffentlichkeit wahren zu können, gegründet. Die Vollversammlung des Vereins setzt sich aus 28 Mitgliedern zusammen, mehrheitlich Journalisten und Juristen, die von den vier Trägerorganisationen, dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) und dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), gewählt werden.

Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. 1973 beschloss man den Pressekodex, der als Selbstverpflichtung der in Deutschland tätigen Journalisten gilt. Der Kodex konkretisiert die Berufsethik der Presse. Auf dieser Grundlage soll das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien gewahrt werden. Jedermann kann Beschwerden, beispielsweise über eine Berichterstattung, bei der die grundgesetzlich garantierte Würde von Personen möglicherweise beeinträchtigt wurde, über ein Online-Formular einreichen.

 

 

 

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Tags: Journalismus, Presserat

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