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Kanzler, Staatsmann, guter Deutscher: Spiegel Biografie porträtiert Willy Brandt.

Regierender Bürgermeister von Berlin zum Zeitpunkt des Mauerbaus, Regierungschef einer sozialliberalen Koalition von SPD und FDP, Ende der Hallstein-Doktrin, neue Ostpolitik, Kniefall von Warschau, Friedensnobelpreis: Kaum ein deutscher Politiker hat die Bundesrepublik derart beeinflusst wie Willy Brandt. Die seit heute im Handel befindliche Ausgabe 4/2018 der quartalsweise erscheinenden Zeitschrift Spiegel Biografie widmet sich der Karriere und dem Leben dieses charismatischen, schwierigen Weltstars der Politik.

 

Wie kein anderer prägte Willy Brandt (1913 bis 1992) über Jahrzehnte hinweg die deutsche Politik nach dem Zweiten Weltkrieg. Er galt im Ausland als Vertreter des neuen, guten Deutschland und wurde schließlich für seine Ostpolitik 1971 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Aus Sicht des Spiegel-Verlags lohne sich in einer Zeit, in der die SPD um zweistellige Wahlergebnisse bangen muss, ein Blick zurück in eine Ära, in der Brandt die Sozialdemokratie quasi neu erfand und dabei als Vorsitzender zu einer modernen Volkspartei formte. Ein aktueller Essay soll dabei auch erörtern, welche Lehren die SPD heute aus Brandts Politikverständnis ziehen könnte.

Zudem werden in dieser Spiegel Biografie-Ausgabe die besten Interviews und Artikel aus vier Jahrzehnten Spiegel-Berichterstattung, sowie Texte von Zeitzeugen wie dem Fernsehjournalisten Peter Merseburger und Auszüge aus wenig bekannten, frühen Aufsätzen und aus den großen Reden Willy Brandts präsentiert.

Dass seine Interviews legendär waren, ist hinlänglich bekannt, insbesondere jenes, dass Brandt 1970 im Anschluss an den ersten deutschfranzösischen Gipfel mit dem französischen Präsidenten Georges Pompidou in Bonn gab. Der für den WDR arbeitende Journalist Friedrich Nowottny gab zuvor dem Regierungssprecher Conrad Ahlers zu verstehen, dass für das Interview, welches am Abend in der Tagesschau ausgestrahlt werden sollte, nur begrenzte Zeit zur Verfügung stehen würde: „Drei Fragen, drei Antworten, eine Minute dreißig“. Brandt antwortete schließlich nur noch mit „ja“, „nein“ und „doch“.

Die Spiegel-Redakteure beschreiben ausführlich Brandts dramatische Jugendjahre in der Emigration und im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Brandt berichtete als Journalist vom Nürnberger Kriegsverbrecherprozess und nahm schließlich in seinem weiteren Werdegang die SPD für sich ein. Er schärfte sein Profil als innenpolitischer Reformer und als Friedenspolitiker über die Tagesaktualität hinaus. Als Augenzeuge beschrieb der Spiegel-Reporter Hermann Schreiber den Kniefall Brandts im Warschauer Ghetto 1970 als symbolischen Schritt zur Versöhnung. Dass der aus Lübeck stammende Brandt eine gerechtere Welt mit weniger Waffen, stabilem Frieden und Freiheit stets als Ziel vor den Augen hatte, wird in Auszügen aus Spiegel-Gesprächen mit Brandt deutlich.

Die Kanzlerschaft endete im Zusammenhang mit einem Geheimdienstskandal. Bislang unveröffentlichte Dokumente der DDR-Staatssicherheit belegen, wie sehr der DDR-Geheimdienst Brandt und seine ostdeutsche Anhänger fürchtete. Brandts enger Mitarbeiter, Günter Guillaume, wurde 1974 als Stasi-Spitzel enttarnt. Brandt erklärte daraufhin seinen Rücktritt als Bundeskanzler, blieb jedoch als Staatsmann international weiter aktiv.

Sein ältester Sohn, der 74-jährige Historiker Peter Brandt, berichtet in einem exklusiven Spiegel-Gespräch nicht nur von der Faszination Willy Brandts, sondern auch von den Problemen seines Familienlebens. „Er kam selten ins Kinderzimmer“, erinnert sich Brandt, der bei seinem Vater „eine Reserve gegenüber anderen Menschen“ konstatiert. Allerdings habe Willy Brandt sehr wohl auch in der Familie „eine hohe Autorität" gehabt, so Peter Brandt. Er sei ihm als ein Mensch, „der um die Dinge rang und es sich mit Entscheidungen nicht leicht machte" in Erinnerung geblieben.

Spiegel Biografie „Willy Brandt. Kanzler, Staatsmann, guter Deutscher“ ist seit heute, 20. November 2018, zum Verkaufspreis von 7,90 Euro im Zeitschriftenhandel erhältlich. Die nächste beliefert Presseverkaufsstelle kann über das Portal mykiosk online abgefragt werden.

Tags: Der Spiegel (Objektfamilie), Politik und Nachrichten (Objektgruppe)

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