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Pressevertrieb in Corona-Zeiten: Auswirkungen auf die Nachfrage am Kiosk

CoronavirusIn Deutschland gibt es erste Lockerungen der zuvor im Rahmen der Corona-Krise erlassenen Einschränkungen. Überall werden dabei exemplarisch Friseursalons genannt, die nun wieder begrenzt Kunden bedienen können. Doch wirken sich diese Lockerungen auch auf den Pressevertrieb aus? Zudem ergeben sich neue Fragen, wie aus einer Mitteilung des Verlegerverbands VDZ hervorgeht.

 

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In den Onlinemedien kursieren derzeit Fotos von mitunter verzausten Frisuren. Am häufigsten wurde dabei Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) porträtiert, der offenbar einen unglücklichen Selbstversuch unternahm. Eine kahle Stelle ziert nun sein Kopf. Doch derartige Missgeschicke dürften nunmehr der Vergangenheit angehören.

Denn seit dem 04. Mai 2020 können Friseure wieder ihre Salons öffnen. Doch stellte sich dabei sogleich die Frage, ob im Wartebereich überhaupt die üblichen Lesemappen angeboten werden dürfen. Hier gaben nun der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und der Verband Deutscher Lesezirkel e.V. Entwarnung. Kunden müssen nicht auf das Lesen von Zeitschriften verzichten, wenn die bestehenden Hygieneregeln eingehalten werden.

 

Eine entsprechende Information der zuständigen Berufsgenossenschaft (BGW) vom vergangenen Donnerstag stellte dies ausdrücklich klar. „Das Lesen von Zeitschriften beim Friseurbesuch ist für viele ein geschätzter Teil der Lebensqualität und Informationsvielfalt“, erklärte hierzu der VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer. „Zur breiten Palette an Dienstleistungen des Friseurhandwerks gehören Zeitschriften als ein wichtiges Element des Serviceangebots und der Kundenzufriedenheit dazu. Wir freuen uns sehr, dass dieses Angebot nun wieder möglich ist“, fügte das Vorstandsmitglied des Verbands Deutscher Lesezirkel, Michael Becker, hinzu.

Und auch in anderen Zusammenhängen gibt es momentan positive Nachrichten. Aus Umfragen und ersten Abverkaufszahlen ergibt sich, dass hinsichtlich der Corona-Pandemie in Deutschland ein hoher Informationsbedarf besteht. Zahlreiche Tageszeitungen melden steigende Verkaufszahlen und auch Nachrichtenmagazine, die mit entsprechenden Themenschwerpunkten die Fragen der Leser aufbereiten, können eine hohe Nachfrage am Kiosk verzeichnen.

Anders hingegen sieht es bei Special-Interest-Zeitschriften aus. Hier stellt sich bereits die generelle Frage, wo diese überhaupt erhältlich sind. Während Tageszeitungen und aktuelle Produkte wie Der Spiegel, Stern und Focus an fast jeder Verkaufsstelle vertreten sind, können monothematische Titel schon allein aufgrund ihrer geringen Druckauflage nur bei einigen wenigen Zeitschriftenhändlern Bestandteil des Sortiments sein.

Insbesondere in Diskussionsforen zeigt sich, dass die Leser bei jenen Zeitschriften, die sich nur einem sehr begrenzten Themenspektrums widmen, in erster Linie von einer Erhältlichkeit im Bahnhofsbuchhandel ausgehen. Doch stellt sich für viele dieser Verlage mit Produkten, die nur in geringer Auflage erscheinen, die Frage, ob die Zeitschriftenhandlungen in den Bahnhöfen und Flughäfen schon wieder zur Normalität zurückgekehrt sind.

 

Dass dort bereits die sonst üblichen Verkehrsströme vorherrschen, könnte man durchaus vermuten. Denn das Ende des Lockdowns ist in aller Munde. Lang sehnte man sich offenbar nach einer Wiedereröffnung der vielzitierten Friseursalons und auch Bilder von langen Warteschlangen vor Baumärkten machten die Runde. Doch konkrete Zahlen belegen, dass die daraus resultierende Vermutung, im Pressehandel würde bereits wieder „Business as usual“ vorherrschen, ein Trugschluss ist.

So berichtete beispielsweise das Fernsehen des Mitteldeutsche Rundfunks MDR in der am 04. Mai 2020 ausgestrahlten Nachrichtensendung „MDR aktuell“ darüber, dass man bei Verkehrsverbünden des öffentlichen Personennahverkehrs eine Umfrage durchgeführt hatte. Dabei gab der Mitteldeutsche Verkehrsverbund eine Auslastung der Bahnen und Busse von nur 25 Prozent an. Der Verkehrsverbund Oberelbe teilte eine Auslastung von nur 20 Prozent mit, beim Verkehrsverbund Vogtland liegt der Wert sogar bei unter 10 Prozent.

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Und auch an den Flughäfen ist ein besorgniserregender Zustand zu verzeichnen. Seit mehreren Wochen diskutiert man darüber, ob Flughäfen aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens nicht ganz geschlossen werden sollten. In diesem Zusammenhang war vor allem der Flughafen Berlin TXL Ankuenfte 20200505Ankunftstafel Flughafen Tegel 05.05.2020Tegel TXL im Gespräch. Ein Blick auf die aktuelle Abflugtafel verdeutlicht die Situation. Während in der Deutschen Hauptstadt an diesem Verkehrsflughafen üblicherweise täglich um die 500 Starts und Landungen zu verzeichnen sind, wurden für den heutigen Tag lediglich 18 Bewegungen angekündigt. Wo keine Kunden anzutreffen sind, entsteht auch kein Verkauf am Kiosk, weswegen auch weiterhin zahlreiche Verkaufsstellen geschlossen bleiben.

Auch die weiteren Aussichten sind alles andere als rosig. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist im Zusammenhang mit der derzeit vorherrschenden Krise im April 2020 ein Anstieg von 381.000 Arbeitslosen zu verzeichnen. Zudem wurden im März und April für insgesamt 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit angezeigt. Doch gibt die Nürnberger Behörde zu bedenken: „Die endgültigen Ergebnisse hierzu stehen mit einer 5-monatigen Wartezeit am 30. September 2020 zur Verfügung. Die Hochrechnungen werden für Deutschland am 3. Juni 2020, für Bundesländer am 1. Juli 2020, für Bezirke der Agenturen für Arbeit am 30. Juli 2020 und für Kreise und kreisfreie Städte am 1. September 2020 veröffentlicht.“

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Wer lange Zeit in den Verlagen im Bereich der Abonnentenbetreuung tätig war wird wissen, dass in Krisenzeiten, also immer dann, wenn die Privathaushalte von nachlassenden Einkommen ausgingen, stets ein Effekt als direkte Auswirkung festzustellen war: die Kündigung von Abonnements. Und dies wird auf alle Bereiche greifen, die mit Kosten verbunden sind: das Abo des Streamingdienstes, die Dauerkarte des Fußballvereins, das Theaterabonnement und eben auch das Abonnement der Zeitung oder der Zeitschrift.

Doch während es bei Abonnements üblicherweise Kündigungsfristen gibt und sich ein Rückgang der Kundenzahlen nur mit einem zuweilen erheblichen zeitlichen Versatz ausmachen lässt, sind die Auswirkungen an anderer Stelle unmittelbar festzustellen: an der Ladentheke des Zeitungskiosks.

 

siehe auch: Themenbereich Corona-/COVID-19-Pandemie

 

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Tags: Bahnhofsbuchhandel, VDZ, Zeitschriftenvertrieb, Corona-/COVID-19-Pandemie

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