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Spiegel Edition Geschichte: Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren

Spiegel Edition Geschichte 201902Vor 80 Jahren begann durch den Überfall der Deutschen Wehmacht auf Polen der Zweite Weltkrieg. Das Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat eine neue Ausgabe seiner Reihe „Spiegel Edition Geschichte“ in den Handel gebracht, mit der schonungslos und eindrucksvoll die Facetten des Krieges dargestellt werden.

 

Die Spiegel-Redaktion hat aus ihren Archiven Interviews und Reportagen ausgewählt und mit der nun im Zeitschriftenhandel erhältlichen Ausgabe 2/2019 der Reihe „Spiegel Edition Geschichte“ eine Zusammenstellung geschaffen, die die zentralen Entwicklungen und Ereignisse zwischen 1939 und 1945 nachzeichnen will. Einige der Nachdrucke, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten zuvor im Spiegel, in der Zeitschrift Spiegel Geschichte oder auf Spiegel Online veröffentlicht wurden, hat man dabei gekürzt, andere überarbeitet und neu bebildert.


Entstanden ist ein Werk, dessen Aussagekraft zuweilen schwer zu ertragen ist. Insbesondere das Zusammenspiel aus Text und Bild macht die Grausamkeit des Zweiten Weltkrieges greifbar. So wird ein idyllisch anmutendes Foto einer durch Wasser watenden Frau präsentiert. Die Bedeutung wird erst durch die Rückseite des Bildes deutlich. Dort ist handschriftlich „Die Minenprobe. Vom Donez zum Don“ vermerkt.

In einem Einsatzbefehl vom 23. September 1942 hieß es hierzu: „Da mit Verminung zu rechnen ist, ist für Bereitstellung von Minensuchgerät 42 (Juden oder gefangene Bandenangehörige mit Eggen und Walzen) in ausreichender Zahl zu sorgen.“ Das Bild entstammt einer Sammlung privater Aufnahmen deutscher Soldaten. Diese Fotos dokumentieren den Krieg aus der individuellen Sicht der Armeeangehörigen, die vielfach von jener abwich, die im Sinne von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels war.

Bilder zeigen, wie Häuser systematisch niedergebrannt wurden um „verbrannte Erde“ hinterlassen und die örtliche Infrastruktur zerstören zu können. Und obwohl es den Soldaten seit 1941 durch das Oberkommando der Wehrmacht und durch die SS untersagt war, Exekutionen zu fotografieren, hielten sich an dieses Verbot nur wenige. Handschriftliche Vermerke, mit denen Soldaten die Bilder in ihren privaten Fotoalben kommentierten, bieten zudem Zeugnis darüber, wie sehr die Wehrmachtsangehörigen die Theorie vom „Untermenschen“ verinnerlicht hatten.


Der Spiegel belässt es jedoch nicht allein bei der Darbietung chronologischer Abläufe, die auch durch Schaubilder erfolgt. Durch Briefe, die zwischen Soldaten und ihren Familien gewechselt wurden und die man über mehrere Jahrzehnte hinweg in Zigarrenkisten aufbewahrt hatte, werden für die heutigen Enkelkinder die Nöte und Begehrlichkeiten im „Alltag“ eines Soldaten deutlich. Da werden Wünsche wie die nach Speck, Zigaretten, Unterhosen und Seife geäußert. Orte wie Witebsk, Polozok, Newel, die fremd sind und nach Ferne klingen, werden genannt: „Aber zum ersten Mal wurde mein Großvater lebendig. Er trat plötzlich aus dem Foto in die Gegenwart.“

Das Magazin wurde in die drei Kapitel „Die Welt in Flammen“, „Die großen Schlachten“ und „Der Untergang“ unterteilt. Vorteilhaft erweist sich dabei das Vorgehen der Redaktion, sich nicht allein auf die Darstellung der geschichtlichen Ereignisse zu konzentrieren. Man geht auch auf Spurensuche und stellt die Auswirkungen auf die Gegenwart heraus. Man besuchte Danzig, wo am 1. September 1939 das in der Altstadt befindliche polnische Postamt von deutschen Soldaten überfallen wurde und am gleichen Tag das Schlachtschiff „Schleswig-Holstein“ auf die Danziger Halbinsel Westerplatte, Standort eines polnischen Munitionsdepots, schoss. Die Redaktion ging der Frage nach, wie sich die Menschen in Danzig an den Kriegsbeginn erinnern.

Und auch die nach dem Krieg weit verbreitete Ausrede, man hätte von nichts gewusst, wird thematisiert. Die Richterin Annette Schücking-Hohmeyer, die als Rotkreuzhelferin von 1941 bis 1943 in der ukrainischen Stadt Nowohrad-Wolynskyj (damals: Zwiahel) an der Ostfront war, gab dem Spiegel 2010 ein Interview. Sie betonte darin, dass auch Nichttäter sehr wohl Kenntnis vom Holocaust hatten. Schon auf der Hinfahrt hörte sie im Zug mit an, wie Soldaten von willkürlichen Erschießungen berichteten.

Der Spiegel nimmt sich auch dem Luftkrieg der Alliierten gegen die deutsche Zivilbevölkerung an. Nahezu jede Stadt in Deutschland mit mehr als 50.000 Einwohnern wurde im 2. Weltkrieg bombardiert. Zudem zeigt man auf, wie Deutschland die Jugend verführte, an der „Heimatfront“ als Erntehelfer einsetzte und schließlich die sogenannten Hitlerjungen als Kindersoldaten zum Ende des Krieges verheizt wurden.

Das Magazin beschränkt sich nicht allein auf die Geschehnisse in Europa. Auch die Ereignisse in Japan werden berücksichtigt. Am Beispiel des australischen Soldaten Leonard Siffleet, der auf Papua-Neuguinea in Gefangenschaft geriet, wird das zuweilen barbarische Vorgehen der Japaner dokumentiert. Ein Foto wurde dabei zu einem bleibenden Bilddokument des Krieges. Der Japaner Yasuno Chikao hatte einen Privatmann damit beauftragt ein Foto anzufertigen welches zeigen sollte, wie Chikao auf offenem Feld vor einer Gruppe von Schaulustigen Siffleet enthauptet.


Die Darstellungen der Redaktion enden jedoch nicht mit dem 8. Mai 1945, dem Tag der deutschen Kapitulation. Zwar mag der Krieg zu diesem Zeitpunkt formal beendet gewesen sein, doch die Auswirkungen hielten noch an. Frauen, die von Russen, Japanern und Wehrmachtssoldaten vergewaltigt wurden, spürten die Leiden einer lebenslangen gesellschaftlichen Ausgrenzung. Kinder blieben als Waisen in den Trümmern der Städte zurück. Zahlreiche Zeitungsberichte und Tagebuchaufzeichnungen helfen dabei, die Stimmung der Nachkriegszeit vermitteln zu können.

Auf 156 Seiten ist dem Spiegel eine Dokumentation gelungen, die deutlicher nicht hätte sein können. Das Heft ist zum Verkaufspreis von 12,90 Euro im Zeitschriftenhandel erhältlich. Die nächste belieferte Verkaufsstelle kann online über das Portal mykiosk.com abgefragt werden.

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Tags: Wissen/Geschichte/Natur (Objektgruppe), Der Spiegel (Objektfamilie), Geschichte, Historie

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