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11 Freunde Bundesliga-Sonderheft: Klinsmann und das Erbe des Grauens

11 Freunde SH 2020 2021Im Stehblock drängeln und am Bierstand anstellen. Dinge, die für einen eingefleischten Fußballfan bislang der nervige Teil eines Stadionsbesuches waren. Und es sind genau diese nervigen Dinge, nach denen sich zumindest die Redaktion der Fußballzeitschrift „11 Freunde“, die sich selbst gerne auch als „Magazin für Fußballkultur“ bezeichnet, jetzt so sehnt. Mit dem jährlichen Saisonheft wollen die Redakteure dann auch nur einen Wunsch zum Ausdruck bringen: Die Rückkehr zur Normalität.

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Es ist ja schon ein gewisses Redaktionsstatut, dass man sich den anstehenden Themen mit einem Schuss Ironie annimmt und nicht immer alles bierernst aufbereitet. Schnöde Statistiken zu Mannschaften und einzelnen Spielern sind für andere Titel redaktionelle Pflicht. Die Kür besteht indes darin, die ganzen Themen auch mal durch den Kakao zu ziehen. Nichts anderes erwarten die Leser.

 

Klinsmann und das Erbe des Grauens

Bereits auf den ersten Seiten des diesjährigen Sonderheftes zur Fußballbundesligasaison 2020/2021 werden Plakate von bekannten Kinofilmen auf Fußballthemen umgemünzt. Das Plakat zum jüngsten Überflieger der Kinoszene, „Systemsprenger“, zeigt dann aber nicht die eigentliche Hauptdarstellerin. Vielmehr trägt es das Konterfei von Jürgen Klinsmann, der in der vergangenen Saison auf seine Art und Weise bei Hertha BSC Trainergeschichte schrieb.

 

Aber nicht nur die Hauptfigur wurde verändert, auch die sonst „üblichen Verdächtigen“, die bei einem Film namentlich erwähnt werden. So heißt es dann in der Fußzeile des Plakats „Tennor präsentiert einen Lars Windhorst Film“. Die Regie führten Michael Preetz und Werner Gegenbauer. Nebenrollen übernahmen Alex Nouri und Andreas Köpke.

Doch 11 Freunde können durchaus auch ernsthaften Journalismus. Auf sechs Seiten präsentiert man ein mit dem Cheftrainer vom FC Bayern München, Hansi Flick, geführtes Interview. Seine Aufgabe erklärt er in Sätzen, die man schon als programmatische Ausrichtung des Vereins werten könnte: „Wir sind dazu da, den FC Bayern leuchten zu lassen“, erklärt Flick. Und schließlich gelingt es den Redakteuren sogar, ihm philosophische Merksätze zu entlocken, die ebenso gut auch von Sepp Herberger stammen könnten: „Der Erfolg ist kein Besitz. Er ist nur gemietet, und die Miete wird jeden Tag fällig.“

 

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Wie immer schafft es das Magazin, Themen mit einer passenden Überschrift zu versehen. So beleuchtet man den recht jungen Kader von Borussia Dortmund. Den Umstand, dass Dortmund die höchste Ablösesumme aller Zeiten für einen 17-Jährigen bezahlt hat, wird dann auch als „Teenagerliebe“ bezeichnet, den ganzen Kader ordnete man schließlich in die Kategorie „Bundesjugendspiele“ ein.

Man kann es nicht oft genug hervorheben, dass sich 11 Freunde von anderen Magazinen deutlich unterscheidet. Hier und da würde man schon gerne ergründen, wie der bisherige Lebenslauf eines Redakteurs aussieht um das zu Papier bringen zu können, was man beim Kauf der Zeitschrift 11 Freunde dann schließlich in den Händen hält. Zur Vermeidung von Missverständnissen: Nicht, dass es so aussehen würde, als wäre da in der Biografie etwas schief gelaufen. Die Frage wäre vielmehr, was bei den Redakteuren anderer Zeitschriften eigentlich dazu führte, dass man dort weniger kreativ ist.

 

FC Union Berlin: Im Wald, da sind die Räuber

Die Kreativität zeigt sich bei 11 Freunde beispielsweise darin, dass man die einzelnen Bundesligavereine mit bekannten Songs vergleicht. Dortmund wäre dabei beispielsweise „(I Can’t Get No) Satisfaction“ von den Rolling Stones, RB Leipzig assoziiert die Redaktion mit „Sympathy For The Devil“, ebenfalls Stones, den SC Freiburg mit „Paradise City“ von Guns ’N’ Roses, Eintracht Frankfurt mit „Fred vom Jupiter“ von Andreas Dorau, den 1. FC Union Berlin mit „Im Wald, da sind die Räuber“ und den 1. FC Köln mit „Verdamp lang her“ von BAP. Auf derartige Ideen muss man erstmal kommen.

 

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Und diese Kreativität kennt bei 11 Freunde offenbar keine Grenzen. Für den 19. September 2020 prsäentiert man sodann auch ein fiktives Fernsehprogramm für ARD, ZDF, SPORT1, RTL, HOPP 2, WALCHSEE TV, DFL TV und BILD TV. Danach empfängt Markus Lanz zur Klärung der Hygiene-Fragen in den Stadien die Gäste Karl und Heiner Lauterbach. In der Serie „Das Traumschiff“ führt Kapitän Coefeld die MS Werder in gefährliche Untiefen, das ZDF-Sommerinterview geht der Frage nach, ob Chemtrails 2018 einen deutschen WM-Erfolg verhindert haben könnten.

Auf RTL wird in einer Folge der Soap „Berlin Tag & Nacht“ gezeigt, wie Klinsi seine Kumpels nervt bis sein Buddy Arne endlich einschreitet, im ARD Buffet ist an diesem Tag Reiner Calmund zu Gast, in der Serie „Tierärzte – Retter in Not“ kümmert sich Dr. Gisdol um den von geistiger Wirrnis und Fieberschüben geplagten Bock Hennes und der Blaulicht-Report geht der Frage nach, ob beim HSV ein Fall von Scheinbeschäftigung vorliegt. 15 Trainer in 10 Jahren, kann das wirklich sein? Der Fernsehabend endet so dann auf BILD TV um 23.30 Uhr mit dem Abspielen der Nationalhymne.

 

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Doch zurück zum sachlichen Teil der Rezension. Gerne spricht man bei Journalisten von der „Chronistenpflicht“ wenn es darum geht, auch beiläufige Dinge, allein „der Vollständigkeit halber“ zu berücksichtigen. Dieser Pflicht kommt man in dem Saisonheft 2020/21 durchaus nach. Denn auch die Mannschaften der zweiten und dritten Bundesliga werden vorgestellt. Und dies dann auch in dem gleichen Umfang wie die Darstellung der Erstligamannschaften.

 

Von Skandalnudeln und Shooting Stars

Als Gimmick wird dem Leser schließlich noch eine Neuerung angeboten, die es sich in sich hat: eine Stecktafel im DIN A 3-Format. Sicherlich, so etwas bieten auch andere Magazine an, zuweilen sogar als Magnettafel. Doch auch hierbei gibt es bei 11 Freunde wieder den entscheidenden Unterschied. Denn die Redaktion belässt es nicht allein bei 18 Pins für alle Mannschaften und auch nicht allein bei den Platzierungen 1 bis 18.

Das große „11 Freunde Steck-Panorama“ bietet selbst Einsteckmöglichkeiten in den Rubriken „Ewiges Talent“, „Skandalnudel“, „Erstes Trainer-Aus“, „Neuer Funkel-Klub“, „Erstrunden-Aus“, „Shooting Star“ und „Schützenkönig“. Für diese Rubriken stehen zusätzliche Pins zur Verfügung. Und dabei hat die Redaktion auch gleich eine mögliche Vorauswahl getroffen.

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In der Rubrik „Skandalnudel“ werden z.B. die Pins „Heiko Herrlich“, „Fritz Keller“ und „Hertha BSC“ angeboten. Für „Nächster Klub von Friedhelm Funkel“ die Mannschaften Eintracht Frankfurt, MSV Duisburg, der HSV oder Fortuna Düsseldorf. Den HSV, Borussia Dortmund, Mainz 05 und den VFB Stuttgart sieht man zusätzlich als Favoriten für die Rubrik „Erstrunden-Aus im DFB-Pokal“, für den „Shooting Star“ steht ein Pin mit dem Bild von Hennes IX bereit.

Doch einen kleinen Schönheitsfehler hat diese Tafel aber dennoch. Die Lasche in der Rubrik „DFB-Pokal-Sieger“ fehlt. Wirklich ein Schönheitsfehler oder doch eher ein Servcie am Leser? Denn schaut man genau hin stellt man fest, dass man dort keinen Pin einstecken muss. Diesen hat die Redaktion schon gleich an dieser Stelle abgedruckt: das Vereinswappen vom FC Bayern München.

 

War sonst noch was? Ach ja! Ein Fallstrick für den eiligen Leser! Denn viele könnten bei schneller Betrachtung vermuten, dem Heft wäre ein Werbeprospekt für Hörspiel-Kassetten beigefügt. Doch Obacht! Was da angeboten wird ist ebenfalls ein Schmankerl der Redaktion. Die dargestellten Europa-Hörspielkassetten tragen so bemerkenswerte Namen wie „Hui Bochum und das Abstiegsgespenst“, „Benjamin Baumgart und die Paderfanten“, „Greuth Rider im Niemandsland“; „Hertha Of The Universe (hier: die Folge „Klinsmann und das Erbe des Grauens“), „Clemens Tönnies macht Ferien auf Schalkrokan“ oder auch „Dirk Zinglers Köpe Nick macht den Corona-Test“). Und bei genauer Betrachtung zeigt sich sodann: dieser vermeintliche Prospekt ist vielmehr der Spielplan für die Erste und Zweite Fußballbundesliga.

Wenn schon Hygiene-Einschränkungen vielfach zu Verdruss führen, so kann als Ausgleich das Sonderheft immerhin für ein klein wenig Heiterkeit sorgen. Es informiert, es unterhält und bietet oftmals eine andere Sichtweise auf die Fußballthemen. Die Redaktion hinterfragt und kritisiert auch zuweilen. Und das Steck-Panorama hat das Zeug, langfristig zu einer Tradition zu werden. Fußballfan, was willst Du mehr?

Das 11 Freunde Sonderheft ist zum Verkaufspreis von 6,50 Euro am Kiosk erhältlich. Die nächste belieferte Verkaufsstelle kann online über das Portal mykiosk abgefragt werden.

 

  

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Tags: Sport, Fußball, Themenschwerpunkt, 11Freunde, Sport General Interest (Objektgruppe)

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