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Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann!

Francis P. Church Francis P. Church Bedeutende Personen der Medienbranche? Vergesst Springer! Vergesst Burda! Die wohl bedeutendste Person in der Geschichte der Medien ist und bleibt Virginia O’Hanlon. Die Mehrheit wird von diesen Namen noch nie gehört haben. Doch Virgina schrieb als sechsjährige Geschichte. Und diese ist nicht nur schön, sie ist auch bedeutend. Und sie wird von vielen Tageszeitungen weltweit erneut erzählt. Jahr für Jahr und dies bereits seit 1897. O weh! Wie öde wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe.

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Diskussionen in der Familie und unter Freunden. Ein Thema nach dem anderen wird heiß diskutiert. Doch wer niemals über den Tellerrand hinaussieht, lebt, wie man heute sagt, in einer Filterblase. Es kann daher nicht schaden, den Sachen intensiver auf den Grund zu gehen, mehrere Informationsquellen, die sich zuweilen auch widersprechen, zu nutzen um sich eine möglichst objektive Einschätzung verschaffen zu können. Getreu dem Motto der Sesamstraße: Wer nicht fragt bleibt dumm.

Genau so verhielt es sich bei jener Frage, die Virginia O’Hanlon umtrieb. Sie wollte eine Antwort haben, definitiv und unmissverständlich. Eine Antwort auf die Frage, ob es nun einen Weihnachtsmann gäbe oder nicht. Vieles sprach dafür, dass der Weihnachtsmann eine fiktive Person wäre. Wie kann ein alter greiser Mann am Nordpol leben, sich mit einem Rentierschlitten auf den Weg machen, durch Schornsteine rutschen und zeitgleich alle Kinder beschenken? Das scheint unmöglich zu sein. Oder vielleicht doch?

 

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Virginia O'Hanlon ca. 1895Virginia O'Hanlon ca. 1895Virginia zweifelte. Denn auch ihre Freunde hatten ihr erklärt, dass es Santa Claus nicht geben würde. Und Virginia fragt ihren Vater. Eltern wissen alles. Meistens jedenfalls. Doch ihr Vater Philip, ein Assistent eines Untersuchungsrichters in Manhattans Upper West Side (New York, USA) wich ihr aus. Er antwortete nicht, gab ihr aber stattdessen einen entscheidenden Rat.

Er bestärkte seine Tochter darin, einen Leserbrief an die Tageszeitung New York Sun zu schreiben. Denn die Zeitung hatte eine „Frage- und Antwort“-Kolumne, an die sich die Familie zuvor schon bei auftretenden Zweifelsfragen gewandt hatte. „Gut, dann werde ich darangehen, an die Sun zu schreiben und die wirkliche Wahrheit herausfinden“, erklärte Virginia sodann. Und ihr Vater unterstützte sie dabei mit den Worten „Nur zu, Virginia. Ich bin sicher, dass dir die Sun die richtige Antwort gibt, wie sie es immer macht.“

Die Zeitung erschien von 1833 bis 1950 und erhielt auch 1949 den Pulitzer Preis. Philip O’Hanlon war der Ansicht, dass die Zeitung die Wahrheit sagen würde und daher als kompetenter Ansprechpartner bei der Klärung der Weihnachtsmann-Frage dienen würde.

Virginia schrieb der Zeitung: „Lieber Redakteur! Ich bin 8 Jahre alt. Einige meiner kleinen Freunde sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Papa sagt: ‚Wenn du es in der Sun siehst, ist es so.‘ Bitte sagen Sie mir die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann? Virginia O’Hanlon, 115 West Ninety-fifth Street.“. Ein Redakteur der Zeitung, Francis P. Church, nahm sich der Frage an, dachte darüber nach um dann philosophischen Zusammenhänge ansprechen zu können. Und er antwortete ihr:

Virginia, deine kleinen Freunde haben Unrecht. Sie sind von der Skepsis eines skeptischen Zeitalters betroffen. Sie glauben an nichts, was sie nicht sehen können. Sie denken, dass nichts sein kann, was für ihre kleinen Geister nicht nachvollziehbar ist. Der Verstand eines Menschen, Virginia, ob Männer oder Kinder, ist klein. In unserem großen Universum ist der Mensch nur ein kleines Insekt, eine Ameise, verglichen mit der grenzenlosen Welt um ihn herum, gemessen an der Intelligenz, die in der Lage ist, die ganze Wahrheit und das Wissen zu erfassen.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Er existiert so sicher wie Liebe, Großzügigkeit und Hingabe, und du weißt, dass sie im Überfluss vorhanden sind und deinem Leben die höchste Schönheit und Freude geben. Ach! Wie trostlos wäre doch die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Es wäre so trostlos, als gäbe es keine Virginias. Dann würde es keinen kindlichen Glauben geben, keine Poesie, keine Romantik, um diese Existenz erträglich zu machen. Wir hätten keine Freude außer durch die Sinne und den Anblick. Das ewige Licht, mit dem die Kindheit die Welt erfüllt, würde erloschen sein.

 

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Nicht an dem Weihnachtsmann glauben? Du könntest genauso gut nicht an Feen glauben! Du könntest deinen Papa dazu bringen, Männer einzustellen, die an Heiligabend in allen Kaminen Wache halten, um den Weihnachtsmann zu fangen. Aber selbst wenn sie den Weihnachtsmann nicht herunterkommen sehen würden, was würde das beweisen? Niemand sieht den Weihnachtsmann, aber das ist kein Zeichen dafür, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Die realsten Dinge auf der Welt sind die, die weder Kinder noch Männer sehen können. Hast du jemals Feen auf dem Rasen tanzen sehen? Natürlich nicht, aber das ist kein Beweis dafür, dass sie nicht da sind. Niemand kann sich all die Wunder vorstellen, die auf der Welt unsichtbar sind.

Du kannst die Babyrassel auseinander reißen und sehen, was das Geräusch im Inneren verursacht, aber es gibt einen Schleier, der die unsichtbare Welt bedeckt, den weder der stärkste Mann noch die vereinte Kraft aller stärksten Männer, die je gelebt haben, zerreißen könnten. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik können diesen Vorhang beiseite schieben und die überirdische Schönheit und Herrlichkeit jenseits davon betrachten und darstellen. Ist alles wahr? Ach, Virginia, in der ganzen Welt ist nichts sonst wahrer und beständiger.

Kein Weihnachtsmann! Danke Gott! Er lebt und er lebt für immer. In tausend Jahren, Virginia, nein, in zehnmal zehntausend Jahren wird er weiterhin das Herz der Kindheit erfreuen.

 

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Virginia wurde später Lehrerin, bekam eine Tochter. Doch lebenslang wurde sie mit eben jenem Leserbrief in Verbindung gebracht. Stets hat sie bei Anfragen ihrer Antwort eine Kopie der Ausgabe vom 21. September 1897 beigefügt. Sie starb 81 jährig 1971 in New York. Als das US-Nachrichtenmagazin über ihren Tod berichtete fügte man ein Zitat von Virginia O’Hanlon hinzu: „Ich bin ein Anonymus von Januar bis November“.

 


Tags: Journalismus, Tageszeitung, Weihnachten

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