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Süddeutsche Zeitung: Judith Wittwer wird neue Chefredakteurin

Wittwer Judith Foto Tamedia AG Andrea ZahlerJudith Wittwer (Foto: Tamedia AG/Andrea Zahler)Die Süddeutsche Zeitung (SZ) bekommt eine neue Chefredakteurin. Judith Wittwer wird im Sommer 2020 vom Züricher Tages-Anzeiger zu der in München erscheinenden überregionalen Tageszeitung wechseln. Wittwer wird die Redaktion zukünftig gemeinsam mit Wolfgang Krach führen.

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Krach, 56, gehört seit 2007 der SZ-Chefredaktion an und führt die Redaktion seit 2015 gemeinsam mit Kurt Kister. Der 62jährige Kister scheidet nach 15 Jahren in der Chefredaktion auf eigenen Wunsch aus, wird der Redaktion jedoch weiterhin als Autor angehören. Geplant ist, dass die neue Chefredaktion als Gesamtheit arbeiten soll und sich nicht mehr in getrennte Zuständigkeiten für Print und Online aufteilt.

Als Mitglieder der SZ-Chefredaktion werden außerdem Dr. Alexandra Föderl-Schmid sowie Ulrich Schäfer berufen. Föderl-Schmid, 49, ist SZ-Korrespondentin für Israel und die Palästinenser-Gebiete mit Sitz in Tel Aviv. Sie war zuvor Chefredakteurin des Standard in Wien. Schäfer, 52, ist derzeit einer der Nachrichtenchefs der Süddeutschen und war vorher der Leiter des Ressorts Wirtschaft sowie des Ressorts München, Region und Bayern.

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Judith Wittwer, 42, war 2007/2008 Deutschland-Korrespondentin des in der Schweiz erscheinenden Tages-Anzeigers. Ihre journalistische Karriere begann sie nach dem Master der Internationalen Beziehungen an der Universität St. Gallen und Stationen bei der damaligen NZZ-Gruppe 2002 beim Tages-Anzeiger in Zürich. Zuerst arbeitete die Absolventin der Schweizer Journalistenschule MAZ als Wirtschaftsredakteurin, war sodann Korrespondentin in Frankfurt am Main und wechselte später ins Ressort Hintergrund und Analyse.

Für die Handelszeitung des Medienhauses Axel Springer arbeitete sie von 2011 bis 2014 als Wirtschaftsredakteurin, 2014 kehrte sie zum Tages-Anzeiger zurück, wo sie die Stabsstelle der Chefredaktion leitete und als Nachrichtenchefin tätig war. 2016 wurde Wittwer schließlich Mitglied der Chefredaktion von Tages-Anzeiger und SonntagsZeitung, seit Anfang 2018 ist sie Chefredakteurin des Tages-Anzeiger.

Unter anderem durch die Einführung einer „Seite Drei“ mit Reportagen und Recherchen sowie durch die Stärkung des Bereichs Meinung hat Wittwer den Tages-Anzeiger publizistisch weiterentwickelt. Unter ihrer Regie trieb der Tages-Anzeiger auch die digitale Transformation und diverse Kooperationen voran, darunter die seit 2017 geltende Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Zeitung.

Judith Wittwer erklärte in diesem Zusammenhang: „Die „Süddeutsche Zeitung“ ist für mich spätestens seit meiner Zeit als Korrespondentin in Deutschland eine geistige Heimat. Sie ist kompetent und kreativ, recherche- und meinungsstark, regional verankert und weltoffen. Sie bringt das mit, was sich Leserinnen und Leser auch in einer zunehmend digitalen Welt wünschen. Ich freue mich darauf, diese digitale Transformation gemeinsam mit Wolfgang Krach, Alexandra Föderl-Schmid und Ulrich Schäfer zu gestalten.“

 

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Wolfgang Krach gehört der SZ-Redaktion seit 2003 an. Bevor er 2007 zunächst zum stellvertretenden Chefredakteur und schließlich 2015 zum Chefredakteur berufen wurde, leitete er als Geschäftsführender Redakteur den Newsdesk. Davor hatte Krach in verschiedenen Funktionen beim Stern und beim Nachrichten-Magazin Der Spiegel gearbeitet. Beim Spiegel war er zunächst stellvertretender Leiter des Berliner Büros, anschließend Leiter des Deutschland-Ressorts in der Hamburger Spiegel-Zentrale.

Zu der personellen Änderung erklärt Krach: „Ich freue mich, künftig in einer vollintegrierten Chefredaktion arbeiten zu können, die sich für alle Erscheinungsformen der SZ – Print, Online und Digital – gleichermaßen verantwortlich fühlt. Das ist ein großer und wichtiger Schritt für die SZ, um den Wandel in unserer Medienwelt meistern zu können.“

 

Dr. Johannes Friedmann, der Vorsitzende des Herausgeberrates der Süddeutschen Zeitung, sagte, die neue Chefredaktion werde „dazu beitragen, dass die Süddeutsche Zeitung ihre herausragende Stellung auf dem deutschsprachigen Markt behalten und die Veränderung hin zum digitalen Medienhaus vorantreiben wird.“ Friedmann weiter: „Die DNA der SZ ist hervorragender Journalismus, im Lokalen und Regionalen ebenso wie im Nationalen. Die Süddeutsche Zeitung zeichnet sich aus durch investigative Recherchen, fundierte Analysen, pointierte Meinung, hintergründige Reportagen und ihren ironischen Erzählton. Diesen einmaligen Charakter wird die neue Chefredaktion auch im digitalen Zeitalter bewahren und pflegen.“

Dem scheidenden Chefredakteur Kurt Kister dankte Friedmann für dessen „herausragende Verdienste um die Süddeutsche Zeitung“. Friedmann fügt hinzu: „Kurt Kister ist ein Journalist, wie es ihn heute kaum noch gibt: ein exzellenter Schreiber, der vom „Streiflicht“ über die „Seite-Drei“-Reportage und den Leitartikel jede journalistische Form beherrscht, gleichzeitig ein hervorragender Blattmacher und ein strikter Verfechter der Interessen seiner Redaktion.“ Die Herausgeber, so Friedmann, seien sehr froh, dass Kister der SZ als Autor erhalten bleibe.

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Pietro Supino, Verleger und Präsident von Tamedia, die den Tages-Anzeiger herausgibt, erklärte zum Weggang Wittwers: „Judith Wittwers Zeit in der Chefredaktion des Tages-Anzeigers fällt zusammen mit epochalen Veränderungen in der Medienwelt. Dabei war ihr stets wichtig, der Leserschaft und den Kolleginnen und Kollegen auf der Redaktion trotz aller großen Veränderungen eine Heimat zu erhalten. Gleichzeitig hat sie die notwendigen Anpassungen der Organisation an diese Veränderungen gestaltet und vorangetrieben und dabei darauf geachtet, dass auch neue Qualitäten entstehen konnten. Wir bedauern den Weggang von Judith Wittwer sehr. Wir gratulieren ihr aber zur ehrenvollen Berufung an die Spitze der Süddeutschen Zeitung und freuen uns, dass wir über unser gemeinsames internationales Korrespondentennetzwerk partnerschaftlich verbunden sind und deshalb auch in Verbindung bleiben werden.“

2019 war für die Süddeutsche Zeitung in redaktioneller Hinsicht ein schwieriges Jahr. Im Oktober hatte die Digital-Chefredakteurin Julia Bönisch die Zeitung verlassen. Nicht nur hausintern hatte Bönisch durch einen im Mai 2019 in der Zeitschrift Journalist veröffentlichten Gastbeitrag erhebliche Debatten ausgelöst. Sie sprach die sich ändernde Anforderungen an Redaktionen im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel an. Ihrer Ansicht nach würde eine Redaktion, die sich insbesondere über Inhalte definiere, der Vergangenheit angehören.

 

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Bönisch erklärte in diesem Zusammenhang: „Stattdessen tritt eine neue Generation in die erste Reihe, die sich viel mehr als Manager und Produktchef definiert, die nicht mehr nur in Formaten und Texten, sondern in Workflows und Prozessen denkt". Bönisch sprach sich zudem gegen eine Trennung zwischen Verlag und Redaktion aus und sorgte somit in der Medienbranche für teilweise heftige Diskussionen.

 


 

 

 

 

Tags: Journalismus, Süddeutsche Zeitung, Tamedia, Schweiz, Zeitungen, überregional (Objektgruppe)

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