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Tageszeitung junge Welt: Verlag 8. Mai feiert sein 25jähriges Bestehen

Erstausgabe Junge Welt vom 13.04.1995Jubiläum in Berlin: vor 25 Jahren wurde der Verlag 8. Mai GmbH, in dem die Tageszeitung junge Welt und das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus erscheinen, gegründet. Dazu erscheinen in der heutigen Ausgabe der jungen Welt drei Beiträge auf der Schwerpunktseite, der Seite drei. Der Verlag selbst bezeichnet die Gründung am 25. April 1995 als „eines der waghalsigen Unternehmen der Nachwendezeit“.

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Der Verlags-Geschäftsführer Dietmar Koschmieder berichtet in der Ausgabe vom 25. April 2020 über die Gründungsphase des Verlags und erklärt, welche Rolle Dietmar Bartsch und ein südbadischer kommunistischer Millionär dabei gespielt haben. Zudem nennt er vier Gründe, weshalb der Verlag und die Tageszeitung junge Welt im Gegensatz zu allen anderen überregionalen Tageszeitungen vom üblichen Auflagenverfall verschont geblieben ist.

Der Publizist Otto Köhler (Spiegel, Mitglied im PEN-Zentrum) erläutert, weshalb er die Tageszeitung junge Welt schätzt: Sie sei die einzige Tageszeitung hierzulande, die nicht vor der deutschen Kriegslust kapituliert habe. Ergänzt werden die beiden Beiträge durch ein Grußwort von Stefan Ripplinger, das dieser im April 1995 zum Neustart der jungen Welt geschrieben hat und sich an jene Warner richtet, die sich bis heute allen Mutigen in den Weg stellen, um diese auf die Vergeblichkeit ihres Tuns aufmerksam zu machen.

 

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Vor 25 Jahren, auf den Tag genau, gründeten ein west- und ein ostdeutscher Redakteur in Berlin die Verlag 8. Mai GmbH, um die einige Tage zuvor eingestellte Tageszeitung junge Welt in Regie der Belegschaft weiter herausgeben zu können. Damals räumten Beobachter und die meisten Akteure dem Projekt keine Chance ein. Dennoch würden Verlag und Zeitung 25 Jahre später stabil dastehen, trotz Branchen- und Coronakrise. „Heute verkaufen wir täglich über 20.000 Einheiten der jungen Welt. Damit ist die Auflage höher als 1995“, teilt der Chefredakteur Stefan Huth mit.

Nachdem die Zeitung nach der Wende an einen Westberliner Verleger, der nach starkem Auflagenverfall im April 1995 Konkurs anmeldete und das Ende der Zeitung verkündete, verkauft wurde, gründeten der damalige Betriebsratsvorsitzende Dietmar Koschmieder, erster festangestellter Westredakteur bei der jungen Welt, zusammen mit seinem Ostkollegen Klaus-Dieter Fischer die Verlag 8. Mai GmbH und später mit Leserinnen und Lesern der Zeitung die Genossenschaft LPG junge Welt eG. Nach dem Vorbild der Taz sollte damit sichergestellt werden, dass der Verlag unabhängig bleibt und in Krisenzeiten über Kapitalreserven verfügt. Der Name des Verlages soll an die Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus (bei Verlagsgründung vor genau 50 Jahren) erinnern, erklärt Koschmieder.

 

Inzwischen wird im Verlag neben der jungen Welt auch das „Magazin für Gegenkultur“ Melodie & Rhythmus herausgegeben, ebenfalls ein traditionsreicher DDR-Titel. Beide Produkte haben heute Leserinnen und Leser auch in den alten Bundesländern und sind damit die beiden einzigen DDR-Titel, die sich nach der Wende im Westen der Republik etablieren konnten. Dietmar Koschmieder ist bis heute Geschäftsführer des Verlages. Den Erfolg des Verlags führt er auf die besonderen Inhalte der Medienangebote, eine originelle Marketingstrategie und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen digitaler und gedruckter Zeitung zurück.

Seit Mitte der 1990er Jahre kann die junge Welt im E-Mail-Abo und seit 20 Jahre als Onlineabo bezogen werden. Und im Gegensatz zu anderen Verlagshäusern hält der Verlag 8. Mai weiter engagiert am Kulturgut gedruckte Tageszeitung fest. „Gerade in Zeiten der Coronakrise wird deutlich, dass gedruckte Tageszeitungen eine viel höhere Glaubwürdigkeit besitzen als der Häppchenjournalismus im Netz, dessen Quellen nicht selten recht dubios sind“, meint Koschmieder.

 

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Letztlich sei für den Erfolg der in Berlin erscheinenden Tageszeitung aber die inhaltliche Ausrichtung der Zeitung maßgeblich, ergänzt Stefan Huth: „Die junge Welt nimmt offen einen marxistischen Standpunkt ein, ohne einer Partei oder anderen Organisation verpflichtet zu sein.“ Nach Ansicht von Huth findet das journalistische Angebot wachsenden Zuspruch.

Jedoch mussten wegen der Coronakrise die geplanten Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Verlagsgründung vertagt werden, teilt der Verlag mit. Die Arbeit in Verlag und Redaktion in der Torstraße in Berlin-Mitte, in der Nähe der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, geht aber ohne Einschränkungen weiter. Die nächste belieferte Presseverkaufsstelle kann online über das Portal mykiosk abgefragt werden.

 

 

 

Die Tageszeitung Junge Welt

Die heute überregional verbreitete Tageszeitung junge Welt (jW) wurde erstmals am 12. Februar 1947 im sowjetischen Sektor von Berlin veröffentlicht, ursprünglich noch als Wochenzeitung. Der Erscheinungsintervall änderte sich ab Januar 1950 auf zweimal wöchentlich. Seit März 1952 wird die Zeitung täglich gedruckt.

Herausgeber war zunächst der Verlag Neues Leben, ab 1952 erschien die Zeitung schließlich im Verlag Junge Welt. Ab dem 12. November 1947 verstand sich die Zeitung als „Zentralorgan der Freien Deutschen Jugend“, von 1952 an als „Organ des Zentralrats der FDJ“.

1977 stieg die Auflage auf über eine Million Exemplare täglich, Anfang 1990 sogar auf 1,6 Millionen. Somit lag die Auflage der Jungen Welt noch vor dem Neuen Deutschland („ND“), dem Zentralorgan der SED, die eine Auflage von einer Million Exemplaren verzeichnen konnte. Die Junge Welt war die auflagenstärkste Tageszeitung der DDR.

Nach der Wiedervereinigung wurde die Tageszeitung aus dem Verlag herausgelöst und von einer GmbH herausgegeben, an der die Mediengruppe Schmidt & Partner (MSP) beteiligt war. Zu dieser Gruppe gehörte unter anderem auch die Satirezeitschrift Titanic. In den Folgejahren waren die Besitzverhältnisse zeitweise nur schwer zu durchschauen. Anfang 1995 wurde die Zeitung vorerst eingestellt.

Im Rahmen eines Management-Buy-out-Verfahrens führte die Belegschaft das Blatt fort. Zunächst wurde die herausgebende Verlag 8. Mai GmbH gegründet, zeitgleich auch eine Genossenschaft, die LPG junge Welt eG. Diese hält seit 1998 die Mehrheit der Anteile. Ein Jahr zuvor kam es zu einer Spaltung der Redaktion. Einige Redakteure blieben bei der jungen Welt, andere gründeten als Alternative die Wochenzeitung „Jungle World“.

Immer wieder stand die Zeitung in den vergangen Jahren vor dem wirtschaftlichen Aus, konnte jedoch entweder durch gezielte Einzelverkaufsaktionen den Abverkauf oder aber die Zahl der Mitglieder der Genossenschaft steigern und somit eine Einstellung abwenden.

Der Sitz des Verlags ist Berlin, die Tageszeitung versteht sich als „linke, marxistisch orientierte, überregionale Tageszeitung mit einem hohen Anteil an Hintergrundberichten und umfassenden Analyse“. Sie ist im Abonnement und am Kiosk erhältlich. Nach eigenen Angaben liegt die Druckauflage montags bis freitags bei 25.600, samstags bei 27.900 Exemplaren.

 

 


 

Tags: Tageszeitung, Jubiläum, junge Welt, DDR

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