Strukturwandel der Medien ist Thema der Politik

Das Redaktionssterben in traditionellen Verlagen wurde in den letzten Tagen Anlass für deutlichere Worte der Bundeskanzlerin, ohne dass die Politik bisher eingreift. An anderer Stelle ist die Politik sichtbarer an der Medienbranche und ihrem Potenzial für Beschäftigung und Umsatz interessiert: Wirtschaftsförderung und Standortmarketing glänzen gerne mit einer modernen und einflussreichen Medien- und Digitalszene.

"Ich habe auf meinen Reisen ins Silicon Valley und Tel Aviv mit eigenen Augen gesehen, was möglich ist. Von dieser Art Goldgräberstimmung können auch wir in Bayern mehr gebrauchen", sagt Ilse Aigner, Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, in ihrem aktuellen Standpunkte-Beitrag in der Fachzeitschrift MedienWirtschaft.

Die Fachzeitschrift MedienWirtschaft hatte Politiker und Wirtschaftsförderer einiger Medienstandorte in Deutschland (Berlin-Brandenburg, Hamburg, Bayern) gebeten, ihre Strategien, Prioritäten und Maßnahmen im Bereich der Medienförderung darzulegen.

Als laufende Maßnahmen zur Stärkung zukunftsträchtiger Bereiche der Medienbranche nennen die befragten Standortverantwortlichen: Bessere Förderung digitaler Projekte, bessere Vernetzung und Inszenierung der innovativen Medienunternehmen durch strahlkräftige Events sowie Flexibilisierung der Rahmenbedingungen.

Ilse Aigner und die Wirtschaftsförderer in Bayern wollen "zum einen die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital verbessern, zum anderen stellen wir über einen neuen Wachstumsfonds von insgesamt 250 Mio. Euro öffentliches Beteiligungskapital bereit. [...] die zur Verfügung stehenden Mittel für Investitionen digitaler Inhalte sollen überproportional steigen". Elmar Giglinger von der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH nennt in seinem Beitrag folgende Zahlen: "Auch in Berlin entfielen 154 Millionen Euro und damit rund 40% der gesamten Finanzierungszusagen der Investitionsbank Berlin im letzten Jahr auf das Cluster »IKT, Medien, Kreativwirtschaft«." Dr. Carsten Brosda, Medien-Bevollmächtigter der Senatskanzlei Hamburg, betont die Zentralisierung der Unterstützung mit Hilfe "der neu gegründeten Investitions- und Förderbank".

Neben weiteren klassischen Mitteln der Wirtschaftsförderung, also Gründerzentren, internationalen Delegationsreisen, Branchenvernetzung und Werbekampagnen, um wie Berlin als "jung, hip, innovativ - the place to be" bekannt zu sein, verfolgen Bayern, Hamburg und Berlin verschiedene Wege, die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Aigner (Bayern) führt an erster Stelle die Modernisierung des Rechtsrahmens an. "Deregulierung und Anpassungen an die Anforderungen der Konvergenz sind hierfür die Stichworte. [...] Andererseits müssen wir wachsam sein, dass auch die neuen Medien Jugendschutz und Datenschutz einhalten." Der "Runde Tisch Medienpolitik" in Bayern nehme dafür Medienbranchen-übergreifende Anpassungen in den Blick.

Brosda (Hamburg) fokussiert nach positiven Erfahrungen auf Kooperation und Kollaboration: "Angesichts der Konvergenz der Verbreitungswege und der wachsenden Diversität der Angebotsformen stellen sich ehemals weit entfernten Marktteilnehmern plötzlich vergleichbare Fragen - vom Payment bis zur digitalen Distribution. Die Arbeit in der Regionalen AG zum IT-Gipfel hat gezeigt, dass sie bei aller Konkurrenz gemeinschaftlich bearbeitet werden können."

Giglinger (Berlin) setzt auf Entbürokratisierung der Förderangebote: "[...] die Nachfrage nach regionalen Förder- und Finanzierungsprogrammen steigt - aber auch nach schnellerer Hilfe. Im schon erwähnten medien.barometer gaben die Unternehmen bei der Antragsstellung für solche Programme die geringste Zufriedenheit an. [...] Crossmediale Produkte zwingen uns, in anderen Kategorien oder ohne Kategorien zu denken. Und das schnell und möglichst unbürokratisch."

Die Standpunkte-Beiträge von Ilse Aigner, Elmar Giglinger und Dr. Carsten Brosda sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift MedienWirtschaft 3/14 erschienen, zusammen mit einem gegenüberstellenden Beitrag über den Medienstandort New York von Prof. Karl Reiner Lang.

MedienWirtschaft - Zeitschrift für Medienmanagement und Medienökonomie erscheint im New Business Verlag, Hamburg. Wissenschaftliche Herausgeber der vierteljährlichen Fachzeitschrift sind Prof. Dr. Martin Gläser (Hochschule der Medien Stuttgart), Prof. Dr. Thomas Hess (LMU München), Prof. Dr. Frank Lobigs (TU Dortmund) und Prof. Dr. Insa Sjurts (Hamburg Media School). MedienWirtschaft präsentiert ausgewählte Studien und Untersuchungen, die aktuelle Themen des Medienmanagements mit wissenschaftlicher Expertise vertiefen.