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Der ungelöste Fall Herrhausen und die Geschichte eines Pressefotos

Kai-Uwe Wärner (Foto: Jan Haas, picture alliance)Kai-Uwe Wärner (Foto: Jan Haas, picture alliance)Am 30. November 1989 wurde der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, durch einen Bombenanschlag getötet. Bis heute ist nicht geklärt, wer für den Mord verantwortlich ist. In der ZDFinfo-Doku „Phantom RAF - Der ungelöste Fall Herrhausen“ wird der Fall im Fernsehen erneut beleuchtet. Markant bei der Aufarbeitung in Printmedien ist stets der Abdruck des „Herrhausen-Fotos“. Doch wie kam es überhaupt zu diesem „Bild für die Ewigkeit“?

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Deutschland stand noch unter dem Eindruck des Mauerfalls vom 9. November 1989. Man stellte sich auf neue Verhältnisse ein, immer wieder wurde die Öffnung neuer Grenzübergänge gefeiert, Familien konnten sich erstmals nach Jahrzehnten wieder sehen. Und längst forderten die Teilnehmer der Montagsdemonstrationen in Leipzig schon die Wiedervereinigung beider deutschen Staaten.

Dies sah man auch entsprechend bei der Deutschen Bank: „Die Öffnung der Mauer hat die Frage nach der deutschen Wiedervereinigung aufgeworfen. Vielleicht sollten wir besser‚ ‚Einigung‘ sagen. Nach meiner Meinung ist ein geeinter deutscher Staat unbedingt wünschenswert, nicht wegen der Größe oder der Macht, die solche Größe verleihen könnte, sondern weil dies, historisch, kulturell und unter menschlichen Gesichtspunkten, ein natürliches Bestreben ist.“ Herrhausen hatte beabsichtigt, diese Einschätzung im Rahmen einer Rede Anfang Dezember 1989 vermitteln zu wollen. Doch dazu kam es nicht mehr.

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Herrhausen machte sich in seiner gepanzerten Limousine auf den Weg nach Frankfurt am Main. Nach einer dreiminütigen Fahrzeit detonierte in Höhe des Bad Homburger Seedammwegs eine Bombe, die sich auf einem dort abgestellten Fahrrad befand und durch eine Lichtschranke ausgelöst wurde. Herrhausen starb bei dem Attentat, sein Fahrer wurde leicht verletzt. Durch die Wucht der Explosion wurde die rechte Seite des Fahrzeugs aufgerissen, der Mercedes-Benz Baureihe 126 kam quer zur Fahrbahn zum Stehen. Dieses Bild hat sich bis heute in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Selbst nach 30 Jahren verknüpft man beim Anblick des Fotos automatisch das Attentat auf Herrhausen. Doch wie kam es zu dazu?

Urheber ist der damals 25jährige Kai-Uwe Wärner, der als festangestellter Fotograf für die Deutsche Presse Agentur (dpa) arbeitet. Wärner hatte an diesem Morgen den sogenannten Frühdienst übernommen. Dabei nehmen Journalisten Termine wahr, die eben üblicherweise anfallen: hier die Eröffnung einer Ausstellung, dort eine erste Pressekonferenz. Am Morgen jenes 30. Novembers 1989 piepste der Eurosignal-Empfänger, Mobiltelefone waren damals noch nicht verbreitet. Dieses empfangene Signal bedeutete, dass nun eine Telefonzelle aufzusuchen wäre, um vom zuständigen Büroleiter weitere Einzelheiten erfahren zu können.

 

Bereits wenige Minuten nach dem Anschlag traf Wärner in Bad Homburg ein. Der Verkehr lief noch normale, der Tatort war bislang nicht abgesperrt, nicht einmal Rettungswagen waren vor Ort. Selbst Jahrzehnte später beschreibt der Pressefotograf das Szenario auf seiner Website eindrucksvoll als eine „beklemmende Stille am Wrack“. Das Foto, das er sodann macht, unterscheidet sich von denen anderer Fotografen, die später hinzukamen. Denn es vermittelt diese unbeschreibliche Ruhe insbesondere dadurch, dass noch kein hektisches Treiben zu erkennen ist. Keine Schaulustigen, keine Absperrungen, keine Sonderermittler.

Buzz Aldrin (Foto: Neil Armstrong/NASA)Buzz Aldrin (Foto: Neil Armstrong/NASA)Man kennt viele solcher Bilder, die historische Momente festhalten konnten. So zum Beispiel jene, die das brennende Luftschiff „Hindenburg“ in Lakehurst/USA zeigen oder den Astronauten Buzz Aldrin im Rahmen der Apollo 11-Mission auf dem Mond. Auch jenes von Kai-Uwe Wärner gehört inzwischen dazu: „Es ist eines der prägendsten Bilder in der deutschen Nachkriegsgeschichte: Ein einst gepanzerter, nun zerfetzter und verkohlter Mercedes, der an diesem klaren, sonnigen Herbsttag noch Stunden nach der Tat quer auf der Straße steht“ befand auch die Süddeutsche Zeitung.

 

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Und es wird auch weiterhin Verwendung finden. Denn mehr denn je bestehen Zweifel, ob die RAF überhaupt hinter dem Anschlag steht. Es gibt zu viele Ungereimtheiten, zu viele Pannen der Ermittler. Untypisch für die RAF war der Einsatz einer Bombe militärischer Bauart mit dem Sprengstoff TNT. Und eigentlich hätte die Bombe vom Ablauf her ein vorausfahrendes Begleitfahrzeug treffen müssen. Denn üblicherweise bestand der Konvoi aus drei Fahrzeugen. Das erste Begleitfahrzeug wurde jedoch kurz zuvor abgezogen.

Das ZDF will diese Fragen mit der Dokumentation „Phantom RAF - Der ungelöste Fall Herrhausen“ aufgreifen. Diese wird heute, 6. Dezember 2019, in einer Wiederholung um 18.00 Uhr auf ZDFinfo ausgestrahlt. Doch in jeder Printberichterstattung wird man auch in Zukunft stets auf ein Dokument zurückgreifen, auf dieses Bild für die Ewigkeit, eben jenes Herrhausen-Foto.

 

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Tags: Journalismus, Deutsche Presse-Agentur dpa

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